Wie der Name schon vermuten lässt, beschreibt die Bezeichnung Gängeviertel ehemalige Stadtviertel in Hamburg, deren Häuser in äusserst enger Nachbarschaft zueinander standen.
Diese Häuser wurden vor allem von armen Leuten bewohnt oder beherbergten kleine Geschäfte. Bedingt durch die Enge waren die hygienischen Zustände nicht die Besten, so dass es Krankheiten ein Leichtes war sich zu verbreiten. Um den entgegen zu wirken ließ die Stadt Hamburg diese Viertel zum Ende des 19.Jahrhunderts sanieren und größenteils abreissen.
Eine Erinnerung an vergangene Zeiten stellen die Krameramtsstuben in der Nähe des Michels dar, die einen geschlossenen und gut erhaltenen Wohnhof aus dem 17.Jahrhundert zeigen. Die Wohnungen wurden im Auftrag des Krameramts (ein Zusammenschluss von Händlern, im Norddeutschen auch als Kramer bekannt) damals dazu genutzt, um zurück gebliebenen Ehefrauen von verstorbenen Mitgliedern eine kostenlose Unterkunft nebst kleiner Rente zu gewähren.
Neben dem eng gewundenen Hofgang im Außenbereich kann man auch eine vollständig ausgestattete Kramerwitwenwohnung besichtigen, die dem Besucher die damaligen Lebensverhältnisse näher bringt.
Allgemeines Aufsehen erregte ein anderes Gängeviertel am Valentinskamp in den letzten Jahren:
Aus Protest gegen die Verwahrlosung und den geplanten Abriss von etlichen Häusern, die zum Teil unter Denkmalschutz stehen und größenteils aus original erhaltenen Bauelementen bestehen, setzte sich die Bürgerbewegung "Komm in die Gänge" dafür ein diese Gebäude zu erhalten und für die Allgemeinheit nutzen zu können.
Im Zuge dessen wurde das Gängeviertel, welches ursprünglich an einen niederländischen Investor verkauft wurde, von der Stadt Hamburg zurück gekauft.
Zahlreiche Künstler, die in der Protestbewegung das Viertel besetzt hatten, setzen sich nun dafür ein in den historischen Häusern ein Kunst- und Kulturzentrum für jedermann zu schaffen, sowie kreativen Köpfen (knapp gewordene ) Atelierräume zu bieten.
Seit geraumer Zeit finden dort nun zahlreiche Konzerte, Ausstellungen, Filmabende und andere bunte Veranstaltungen statt.
Museum Kramerwitwenwohnung
Krayenkamp 10 (beim Michel), 20459 Hamburg
Telefon: 040 - 3750 1988
Eintrittspreis: 2€ (ermäßigt) - 3€
Gängeviertel
(zwischen Valentinskamp, Caffamacherreihe und Speckstraße bzw. bei der U-Bahn-Haltestelle Gänsemarkt)
Jeden ersten Sonntag im Monat findet um 15.00 Uhr eine öffentliche Führung durch das Gängeviertel statt.
Startpunkt ist die "Puppenstube" am Valentinskamp 39.
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